TSV MIldstedt - HSG SZOWW 27:29 (15:14)
zwei Verlierern
Im Oberligaderby zwischen dem TSV Mildstedt und der HSG Ohrstedt-Ostenfeld gab es eigentlich keinen Gewinner. Zwar sicherten sich die Gäste in einer packenden Partie beim 29:27 (14:15) zwei Punkte und nahmen damit erfolgreich Revanche für die Hinspielniederlage, standen aber genau wie der TSV am Ende mit leeren Händen da. Denn die SG Flensburg-Handewitt III siegte überraschend hoch (42:29) gegen den neuen Meister THW Kiel II und machte damit alle nordfriesischen Träume zunichte.
„Für uns war der Abstieg ja eigentlich schon in der vergangenen Woche klar. Doch meine Mannschaft hat gegen die HSG alles gegeben und hat sich nichts vorzuwerfen. Wir haben in anderen Spielen die Punkte liegen lassen“, sagte TSV-Coach Oliver Zube relativ gefasst.
Nico Hamann, Betreuer der HSG Ohrstedt-Ostenfeld wurde da schon etwas deutlicher: „Durch den hohen Flensburger Sieg hat unser Abstieg einen faden Beigeschmack. Ich denke, dass die U 23-Regel hier etwas fehlinterpretiert wurde.“ Er spielte auf den Einsatz von fünf Regionalliga-Spielern im Oberligateam an, die den Sieg der Flensburger gegen Kiel sicher stellten. „Doch die Regel lässt es zu und damit müssen wir uns abfinden“, ergänzte Hamann.
Gleich zu Beginn zeigten beide Teams, dass sie um die Chance auf den Klassenerhalt kämpfen würden. Vor allem die Abwehrreihen dominierten diese Partie und zeigten große Härte. Mildstedt war die erste Mannschaft, die sich ein wenig absetzen konnte und beim Stande von 10:7 (18. Minute) die Nase vorn hatte. Ohrstedt-Ostenfeld schaffte es aber immer, sich in Überzahlsituationen wieder heran zu kämpfen. Über 12:10 verteidigte der Gastgeber die leichte Führung bis zur Pause und ging mit einem knappen 15:14-Vorsprung in die Kabine.
Doch auch nach dem Wechsel blieb die Partie spannend, auch wenn die einzelnen Lager per Telefonkonferenz schon über die Flensburger Führung informiert waren. „Es ist und bleibt halt ein Derby, in dem keine Mannschaft verlieren wollte“, beschrieb Zube die Atmosphäre. Als Lennart Körner auf Mildstedter Seite in der 50. Minute dann die dritte Zeitstrafe sah, kippte die Partie zu Gunsten der Gäste. Trotzdem blieb Mildstedt dran und konnte immer wieder ausgleichen. Über 20:20 und 26:26 ging es Tor um Tor, sodass bis zur letzten Minute nicht klar war, wer als Sieger vom Feld gehen würde.
Erst der Treffer von Lars Thoröe in den letzten 20 Sekunden sicherte den knappen 29:27-Endstand für die HSG SZOWW. „Ich denke, dass ein Unentschieden auf Grund des Spielverlaufs durchaus gerecht gewesen wäre. Aber gegen einen Sieg im Derby habe ich natürlich auch nichts“, kommentierte Hamann nach der Partie.
Im Mittelpunkt des Fazits von Oliver Zube stand weniger das Spiel, vielmehr das Verhalten der SG Flensburg-Handewitt III: „Wir haben am Ende zu schlecht geworfen und es der HSG relativ leicht gemacht. Doch ich denke, dass die knapp 400 Zuschauer wieder ein spannendes Derby gesehen haben und alle zufrieden nach Hause gehen konnten. Manko ist und bleibt aber die Wettbewerbsverzerrung der Flensburger am letzten Spieltag. Das kann einfach nicht angehen.“
Nach der Partie fand in Mildstedt noch die Saisonabschlussfeier statt, wo über das Flensburger Ergebnis philosophiert, aber auch schon wieder über die nächsten beiden Derbys zwischen Mildstedt und dem SZOWW gesprochen wurde – dann allerdings in der Landesliga.
TSV Mildstedt: Hunwardsen, Hansen, Busch – S. Schmitz (1), T. Schmitz (3/2), L. Körner (3), Jansen (6), Bendsen, Kopittke (2), Jöns (9), Petersen (3), F.
Körner.
HSG Ohrstedt-Ostenfeld: Weinbach, Jensen – M.Hansen (3), Peters (2), K. Flatterich (6/2), Thoröe (3), H. Klenz (1), J. Hansen (5), H. P. Carstensen (2), O. Klenz, Schlemeier,
Plöhn (6/2), Fülbier (1), A. Carstensen.
Aus Gegners Sicht...
Spielbericht: Flensburg III - THW Kiel II
„Das war wirklich toll mitanzusehen. Wir haben von der ersten Minute an Vollgas gegeben und sind nun erleichtert, dass das Zittern ein Ende hat", freute sich Trainer Rainer Cordes nach dem in der Höhe unerwarteten Kantersieg. Überragend auf Flensburger Seite: Spielmacher Nils Gümmer (neun Tore) und Torhüter Dennis Jessen (17 Paraden).
Die Reserve des THW Kiel kam mit der Empfehlung in die Wikinghalle, 18 Spiele in Folge ungeschlagen zu sein und damit auch verdient als Regionalliga-Aufsteiger festzustehen. Die SG, verstärkt durch fünf Spieler aus dem Junior-Team, ließ dies aber zunächst kalt. Voller Elan legte Flensburg-Handewitt nach einem Dreierpack von Lars Boy Boysen gleich ein 5:1 (6.) vor. Der THW hatte Mühe gegen die aggressive Flensburger Deckung. Jan Molsen deckte zudem den Ex-Tarper Simon Plähn kurz und nahm den Gästen damit ihre gefährlichste Waffe.
In der Folge dominierte die SG-Dritte die Partie zwar, konnte sich aber nicht frühzeitig absetzen. Zu sorglos wurden beste Möglichkeiten ausgelassen. Doch näher als auf 6:8 (13.) kamen die Kieler nicht heran. Torhüter Dennis Jessen steigerte sich von Minute zu Minute und der Flensburger Angriff spielte nun wie aus einem Guss. „Das war nicht zu erwarten, da wir in dieser Aufstellung noch nie zusammen gespielt haben. Man hat aber gesehen, dass wirklich jeder dieses Spiel unbedingt gewinnen wollte“, meinte Rainer Cordes. So setzte sich die SG wieder auf 12:7 (20.) und nahm eine beruhigende Führung mit in die Pause.
Der Kieler Simon Plähn (Finger ausgekugelt) konnte in der zweiten Halbzeit nicht mehr mitwirken. Trotzdem verkürzte THW auf 20:23 (40.). Doch die SG behielt die Ruhe, zog auf 28:22 (46.) davon und zwang die Gäste zu einer Auszeit. Die anschließende Manndeckung gegen Nils Gümmer erwies sich als Bärendienst für den Meister. Denn den sich bietenden Platz nutzten Thies Jakob Volquardsen und Jan Lasse Kohnagel zur Vorentscheidung (33:24, 50.).
SG Flensburg-Handewitt III: Helmer, Jessen - Gümmer (9), Boysen (4), Müller, Molsen (5), Kohnagel (9), Bastian (1), Carstens (3),
Volquardsen (4), Clausen (7/4).
THW Kiel II: Hessner, Stoltefuss - Jannsen (3), Zakel (1), Grewe (3), Kröger (7/4), Raddatz (5), Schütte, Olbert (3), Otto (1), Bülow (1), Plähn (3), Hannemann (2). Schiedsrichter: Erichsen/Siggelow
(TSV Kronshagen/TuS Gaarden). – Siebenmeter: 4/4:4/4. – Zeitstrafen: 6:5. – Rote Karte: Kohnagel, SG (51. dritte Zeitstrafe).
Zuschauer: 150.
Jan MOlsen von der SG Flensburg/Handewitt III beim Wurf!